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©INSTITUT FÜR KUNSTTHERAPIE BERLIN-BRANDENBURG
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Ohne Worte
Kunsttherapeuten versuchen mit gestalterischen Mitteln, an verschüttete Emotionen zu gelangen
von Ulrike Schattenmann (Original-Artikel als PDF)
Die Straße führt ins Nirgendwo. Grauer Beton, umgeben von einer leeren Landschaft, ohne Bäume und Sträucher, mit wenigen Pinselstrichen auf ein Blatt Papier gepinselt. Das nächste Bild ist nur in Schwarz-Weiß gehalten, zeigt dämonische Gestalten mit Fratzengesichtern, die mit Steinschleudern auf einen Menschen zielen. Die Bilder stammen von jugendlichen Straftätern. "Das Malen hilft ihnen, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen, aber auch, sich mit ihrer Tat auseinanderzusetzen", sagt Eva Maria Brandmayer. Die Berliner Kunsttherapeutin arbeitet regelmäßig mit Insassen der Jugendstrafanstalt Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern.
"Über die Bilder können sie ausdrücken, was in ihnen vorgeht, worüber es ihnen aber schwerfällt zu sprechen."
Verschüttetes wieder zu Tage bringen, Gefühle und Erinnerungen freisetzen, das ist das Ziel von Brandmayers Arbeit. Kunsttherapeuten unterstützen psychotherapeutische Prozesse. Dabei liegt der Patient nicht auf der Couch und beantwortet Fragen. Kunsttherapeuten arbeiten nonverbal. Mit künstlerischen Mitteln versuchen sie an die Emotionen ihrer Klienten zu gelangen. Das kann Malen, Zeichnen oder Bildhauern sein, aber auch Tanz, Musik, Poesie oder Puppenspiel. "Im Mittelpunkt steht dabei der künstlerische Prozess, nicht das Endprodukt", erklärt Brandmayer. Wenn die jugendlichen Straftäter beim Malen nicht mehr weiterkommen, immer wieder die gleichen Symbole nutzen oder voneinander abmalen, dann versucht sie, ihnen mit künstlerischen Mitteln einen neuen Weg aufzuzeigen -mit anderen Farben oder Formen etwa, oder indem sie anregt, neue Figuren einzuführen. "Der Klient kann sich im Bildnerischen auf Neuland einlassen -und das wirkt sich auch auf die Entwicklung seiner Persönlichkeit aus", erläutert Brandmayer.
Dass Kunst auch therapeutisch wirkt, ist nicht neu: Viele Künstler haben sich mit dem Spannungsfeld zwischen inneren und äußeren Bildern auseinandergesetzt, etwa Francisco de Goya mit seinen "pinturas negras", die um 1820 entstanden. Die Antroprosophen setzten die Kunsttherapie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in ihrer Heillehre ein, zeitgleich entwickelten sich künstlerische und psychologische Ansätze. Im niedersächsischen Ottersberg, wo auch Brandmeier ihre Ausbildung absolvierte, entstand 1967 der erste -an anthroposophischen Konzepten angelehnte -Studiengang in Deutschland.
Die Aus- und Weiterbildung zum Kunsttherapeuten ist nicht nur an Hochschulen oder Kunstakademien möglich, sondern auch an privaten Einrichtungen. Eine davon ist das Institut für Kunsttherapie Berlin-Brandenburg. Die idyllisch am Waldesrand von Jüterborg gelegene Einrichtung orientiert sich an den Ausbildungsrichtlinien des Berufsverbandes -der Deutschen Gesellschaft für Künstlerische Therapieformen.
Das Besondere: Bestandteil der vierjährigen berufsbegleitenden Weiterbildung ist eine therapeutische Selbst- oder Gruppenerfahrung. "Wir finden, dass sich künftige Therapeuten ihren eigenen Problemen stellen müssen, bevor sie Verantwortung für Klienten übernehmen können", erklärt Elke Reinhardt, Leiterin des Instituts, selbst Kunsttherapeutin und Philosophin. Daher habe sich das Institut auch dagegen entschieden, die Ausbildung zu verkürzen und in das Bachelor-Schema zu pressen. "Wir legen Wert auf diesen langen Prozess, in dem die Studierenden an sich selbst arbeiten -so erlernen sie auch das Handwerkszeug für ihren künftigen Beruf", sagt Reinhardt. Der, da ist sie optimistisch, ist und wird gefragt sein. "Die Zahl der psychisch Erkrankten wächst und damit der Bedarf an Therapeuten mit ergänzenden und alternativen Behandlungsmethoden."
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Quereinsteiger willkommen
Kunsttherapie Weiterbildung Am Institut für Kunsttherapie in Jüterborg, Voraussetzung: abgeschlossenes Hochschulstudium oder Berufsausbildung.
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