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©INSTITUT FÜR KUNSTTHERAPIE BERLIN-BRANDENBURG
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Die „Maltante“ kommt
Von ANNEGRET KANNENBERG
Das Wort Therapie mag Marlies Grytz nicht so richtig, weil gerade viele Senioren, mit denen sie arbeitet, es als negativ empfinden. Deshalb kommt es ihr stets gelegen, wenn sie von den Gruppen, die sie betreut, mit den Worten begrüßt wird: „Da kommt ja die Maltante.“ Damit sei stets die schwierige Stufe des Kontaktaufbaus genommen, erklärt die ausgebildete Kunsttherapeutin. Die 52-Jährige ist eigentlich gelernte Bauzeichnerin. Nach einem Unfall in den 90er Jahren fand sie über das Malen wieder zurück zum Spaß am Leben, stärkte ihr Selbstwertgefühl und besiegte gesundheitliche Probleme. Diese Entdeckung der Kraft des Malens, des Kreativseins, ließ sie dann nicht mehr los. Mit einer Ausbildung am Institut für Kunsttherapie Berlin-Brandenburg verschaffte sie sich auch das theoretische Rüstzeug und ist seitdem mit vielen Ideen und Leidenschaft in ihrem neuen Berufsfeld tätig.
Einen Großteil ihrer Arbeit findet die Woltersdorferin gerade in Alten- und Pflegeheimen und das, obwohl man das Interesse mancher Heimleitungen für ein derartiges Angebot nicht gerade als groß bezeichnen kann. Unverständlich eigentlich, wenn man die Therapeutin von der Ergebnissen berichten hört. So macht sie immer wieder die Erfahrung, welche neue Erlebniswelt sie älteren Menschen durch kreatives Arbeiten erschließt. „Gerade diese Generation ist es oft nicht gewohnt, einfach Papier zu bemalen“, erzählt sie und dabei fiele nicht selten der Begriff des Vergeudens. Ebenso sehen viele den Umgang mit Stiften oder Farbe nicht als „wirkliche“ Tätigkeit an. „Früher musste man etwas Vernünftiges machen, nicht nur malen“, hört sie immer wieder mal. Andererseits schaffe es die „Maltante“ dann, etwas Emotionales zu erzeugen, was man mit bloßer Pflege und der Reduzierung älterer Menschen auf „satt und sauber“ nicht erreichen könne. „Ich komme immer mit den schönen Sachen“, weiß sie aus häufigen Gesprächen und verweist aber auch darauf, welche eigentlichen Effekte damit erreicht werden.
Gerade ältere Menschen, die jetzt in einem Heim leben, haben vorher oft lange zu Hause ganz auf sich selbst gestellt viel Zeit allein verbracht, sind vereinsamt. Hier kann die Kunsttherapeutin dazu beitragen, diesen Rückzug in sich selbst aufzuhalten und vielleicht sogar umzukehren. Die Menschen erleben sich selbst wieder und erinnern sich an Gruppenerlebnisse, lernen wieder miteinander zu reden, sich auszutauschen. Das gilt sogar für diejenigen, die das verbal vielleicht nicht mehr können oder durch andere gesundheitliche Schwierigkeiten gehemmt sind. Marlies Grytz hat auch bei Demenzkranken immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Kunst mehr an Erinnerungen hervorbringen kann als manch andere Therapie, sei es durch das Singen alter Lieder oder das Lesen von Gedichten, die die Betroffenen aus Jugendtagen kennen.
Die Verwendung künstlerischer Mittel erhält oder fördert aber ebenso die Wahrnehmungsfähigkeit. Selbstwert und Selbstachtung steigen. Verstimmungen, Unruhe, Angst, Stress oder Depression finden Niederschlag in Formen und Farben, die so zu direkten Hilfsmitteln werden.
Marlies Grytz wird derzeit nicht müde, diese Vorteile in vielen Einrichtungen vorzustellen, um damit älteren Menschen neue Horizonte zu eröffnen, Hilfen anzubieten.
Bereits seit 13 Jahren bildet das Institut für Kunsttherapie Berlin-Brandenburg Kunsttherapeuten aus. Der neue vierjährige berufsbegleitende Studiengang beginnt mit einem Einführungswochenende, das vom 17. bis 19. April 2009 in Jüterbog-Markendorf vor allem informieren soll. Teilnahmevoraussetzungen sind ein abgeschlossenes Studium bzw. Berufserfahrungen im pädagogischen, künstlerischen, geisteswissenschaftlichen, medizinischen oder sozialen Bereich. Infos unter www.kunsttherapieausbildung.de oder Tel. 03372-403190